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Archiv für Juni 2009

10000 in Göttingen auf der Straße – GT:

Studenten und Schüler ziehen gemeinsam, laut und friedlich durch die Göttinger Innenstadt
Bis zu 10000 Schüler und Studenten haben gestern, 17. Juni, in Göttingen für grundlegende Bildungsreformen demonstriert. Mit Transparenten und Trillerpfeifen zogen sie friedlich durch die Innenstadt. Unter anderem protestieren sie gegen Studiengebühren und eine verkürzte Schulzeit für Abiturienten.

Der Zug reicht vom Markt über Rote Straße und Kurze-Geismarstraße bis zum Geismartor, der Lärm ist ohrenbetäubend. Immer wieder skandieren Schüler und Studenten Sprüche wie „Bildungsklau im ganzen Land, unsere Antwort ist Widerstand“ oder „Bildung für alle, und das umsonst“. Auch auf Transparenten drücken sie aus, was sie ärgert: Mit Sprüchen wie „Lernst du noch, oder bezahlst du schon“ protestieren sie gegen Studiengebühren und private Hochschulen. Der Satz „Geistige Lehre statt fleißige Lehre“ richtet sich gegen verschulte Bachelor-Studiengänge. Und der Ruf „kein Turbo-Stress“ richtet sich gegen das Abi nach zwölf Schuljahren.

Mehr als 2000 Schüler

Von den Gesamtschulen IGS in Geismar und KGS in der Weststadt hatten sich schon am Vormittag etwa 2000 bis 3000 Schüler auf den Weg zum bundesweiten Bildungsstreik gemacht, darunter auch viele Schüler der Gymnasien. Die Streik-Initiatoren sprechen später von insgesamt 10000 Teilnehmern, die Polizei von etwa 7000. Parallel demonstrierten auch Schüler in Northeim.

Die Stimmung in Göttingen ist laut und zornig, aber auch fröhlich und friedlich – Polizisten sind kaum zu sehen. Nur am Neuen Rathaus und am Wilhelmsplatz kommt es kurz zu kleinen Rangeleien – schnell gestoppt von anderen Demonstranten. Am Nachmittag besetzt eine Gruppe die Uni-Verwaltung. Präsident Kurt von Figura bietet Gespräche an.

„Wir sind gegen diese schlechte Bildungspolitik und das Turbo-Abi“, beschreiben Louisa und Ronja aus dem zehnten Jahrgang am Hainberggymnasium ihre Protest-Motivation. Bei nur noch acht Gesamtschuljahrgängen bis zum Abi müssten die Schüler an der IGS früher als bisher getrennt werden, beklagt Hans aus dem achten Jahrgang. Theologiestudentin Anna-Katharina aus dem vierten Semester demonstriert gegen jüngste Uni-Reformen und damit vor allem für künftige Studenten. Auch sie sollen „selbstbestimmt und ohne zunehmenden Druck“ studieren können. In Redebeiträgen am geschützt eingepackten Gänseliesel fordern Studenten- und Schülervertreter sowie Gewerkschafter neben der Abschaffung von Studiengebühren und Turbo-Abitur auch mehr Lehrer, kleinere Klassen, weniger Konkurrenzdruck, eine bessere Förderung vermeintlich schwacher Schüler und weniger soziale Ausgrenzung ärmerer Schüler und Studenten. Der gestrige Bildungsstreik ist eingebettet in eine Aktionswoche an der Uni Göttingen mit Workshops, Kulturveranstaltungen und kleineren Protestaktionen in der Stadt.

Quelle: Goettinger-tageblatt.de

Wir sind nicht allein!

„Aufruf zur Teilnahme am Bildungsstreik

GEW unterstützt Schüleraktion gegen Bildungsmisere

Permanenter Unterrichtsausfall, viel zu wenig Lehrkräfte in den Schulen, viel zu große Klassen, Fachlehrermangel, Abschaffung der Vollen Halbtagsgrundschulen, G 8 Einfüh¬rung auch für die Gesamtschulen, ständig neue Standardvorgaben von den Bildungsbü¬rokraten – das ist die tägliche Schulrealität, die von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften erlebt und ertragen werden muss.
Mit einer geschönten Statistik über die Unterrichtsversorgung versuchen Ministerpräsident Wulff und die Kultusministerin Heister-Neumann weiterhin den besorgten Eltern Sand in die Augen zu streuen. Aber die Bildungsmisere ist nicht länger unter der Decke zu halten, sie ist mittlerweile zu offenkundig.
Wir in der GEW erleben die permanent verschlechterten Lern- und Arbeitsbedingungen von Schülerinnen / Schülern und Lehrkräften und unterstützten deswegen die berechtigten Forderungen des Aktionsbündnisses.
Wir fordern Herrn Wulff auf: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und sorgen Sie für eine Bildungspolitik, die allen Kindern gute Bildungschancen ermöglicht! Hören Sie mit der Flickschusterei auf. Arbeiten Sie endlich konzeptionell, zukunftsorientiert und inklusiv.

Wir rufen alle Lehrkräfte auf, die am Mittwoch, 17. Juni ab 10 Uhr keinen Unterricht haben oder ihre Überstunden abbauen können, sich der Demonstration der Schülerinnen und Schüler anzuschließen.
Startpunkte: IGS: 10.00 Uhr, KGS: 10.00 Uhr, Campus: 11.00 Uhr
Großdemo am Nabel: 11.30 Uhr
Abschlusskundgebung am Gänseliesel

GEW Kreisverband Göttingen
Geschäftsführender Vorstand
Bernward Hellbrück“