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Für eine bessere Schule!

Für Samstag, den 10.09.2011, haben Elternvertretungen von Gymnasien aus
Göttingen und Umgebung eine Demonstration „für ein besseres Gymnasium“
angekündigt, die um 11 Uhr auf dem Schützenplatz in Göttingen beginnen
soll.

Dazu gibt es einen Katalog mit Verbesserungsforderungen, der u.a. umfaßt:
kleinere Klassen, weniger Leistungsdruck, mehr Lehrkräfte und eine
Stärkung der sozialen Kompetenzen. Diese Forderungen entsprechen jenen,
die schon seit über zwei Jahren von Schüler*innen, Studierenden und
Auszubildenden in der ganzen Republik erhoben werden. Wohlgemerkt von
Vertretungen jeglicher Schulform! Hier jedoch nehmen sich die
Elternvertretungen einiger ausgesuchter Gymnasien in Stadt und Umland die
Selbstgefälligkeit heraus, all‘ dieses nur für „bessere Gymnasien“ zu
fordern. Alle übrigen Schulformen können ja ruhig hinten runter fallen. Ob
diese nun zur neuen „Oberschule“ zusammengefaßt werden sollen oder wie die
„Restschule“ sonst auch immer euphemistisch genannt werden soll -
Hauptsache, die Gymnasien bleiben „was besseres“.

Gegen diese Absetzbewegung mit Elitedünkel wehren wir uns entschieden!
Erfahrungen anderer Länder (man blicke nur auf die Erfolge nordischer
Länder in den PISA-Vergleichen) zeigen ganz deutlich, dass gerade eine
weitgehend gemeinsame Bildung aller in einer „inklusiven Schule“ zu einem
weit höheren Bildungsniveau führt! Im Aufruf der gymnasialen
Elternvertreter heißt es u.a.: „Kompetenzen vermitteln statt
Auswendiglernen, Kreativität statt Pauken, Entrümpeln der Lehrpläne,
Grundlagenverständnis statt Detailwissen, altersgerechte Stoffpläne“. Alle
diese Punkte treffen auf jegliche Schulform zu! Welche wäre zur
Verwirklichung der Forderung nach „Stärkung des sozialen Umgangs“ besser
geeignet, als eine „inklusive Schule“ für alle?

Die Abschaffung des G8, das „zu einer unbewältigbaren Stoffdichte geführt“
hat (so die Gymnasialvertreter) und damit die Abkehr vom Turbolernen, ist
eine Forderung, die bisher solidarisch von allen Schüler*innen bundesweit
erhoben wurde. Für alle Bildungseinrichtungen gilt auch die Forderung nach
einer hinreichenden Ausfinanzierung unseres Bildungssystems!

Unter dem Lehrkräftemangel leiden alle Schulformen, ebenso unter der
Unterfinanzierung. Obwohl es einen Ansturm bei den Neuanmeldungen für
Integrierte Gesamtschulen gibt, wird ihre Neugründung massivst behindert.
Dabei wurde eine davon (die IGS in Göttingen) gerade als „beste Schule der
Republik“ ausgezeichnet! Die Probleme der Schulpolitik betreffen uns alle,
nicht nur die Gymnasien. Dass sich jetzt ausschließlich Elternvertretungen
von Gymnasien zusammenschließen, um für eine Verbesserung der
Bildungssituation einer Schulform auf die Straße zu gehen, ist umso
erstaunlicher. Das Motto müßte doch eher heißen: „Demo für eine bessere
Schule“, denn schließlich sind wir alle davon betroffen.

Genau dies ist auch der Ansatz des aktuell laufenden „Volksbegehrens für
gute Schulen“ in Niedersachsen. Das Schüler*innenbündnis ruft daher alle
zu dessen tatkräftiger Unterstützung auf. Bildung darf kein Privileg nur
für Kinder aus „besserem“ Elternhaus sein, sondern ist ein Recht für alle!
Daher übernehmen wir gern den Aufruf, sich „kreativ“ an der Demo zu
beteiligen – und stellen sie unter das offene Motto „Demo für eine
bessere Schule“!

Die Überwindung des mehrgliedrigen Schulsystems würde endlich die massive
soziale Selektion beenden (die im weltweiten Vergleich hier am höchsten
ist!), den sozialen Umgang stärken und entschieden dazu beitragen, dass
sich unsere Schüler*innen „zu starken Persönlichkeiten entwickeln“ können
(wie es im Demo-Aufruf heißt). Deshalb für eine gute Schule für alle – für
eine umfassende Demokratisierung des Bildungssystems!

Unser Redebeitrag auf der Demo gegen Studiengebühren am 26.05.2011

Das Schüler*innenbündnis Göttingen ist ein Zusammenschluß aller an fortschrittlicher Bildungspolitik Interessierten. In den letzten zwei Jahren haben wir uns maßgeblich an den Protesten für Verbesserungen im Bildungssystem engagiert, bei denen unter anderem eine Verkleinerung der Klassengrößen, die Schaffung einer Schule für alle und die hinreichende Ausfinanzierung des gesamten Bildungssystems in allen Bereichen gefordert wurden – von der KiTa bis zur Hochschule! Auch die Abschaffung sämtlicher Bildungsgebühren (einschließlich Studiengebühren) gehört zu unseren Forderungen.

Leider hielt sich die bisherige Beteiligung der Studierenden besonders in Göttingen doch sehr in Grenzen. Dabei ist doch auch eine Hochschule nicht im luftleeren Raum denkbar, sondern befindet sich inmitten der Gesellschaft – und genau daran appelliert auch das allgemeinpolitische Mandat im niedersächsischen Hochschulgesetz! Wir hoffen deshalb, dass mit einem fortschrittlichen AStA sich endlich auch die Studierenden verstärkt für substanzielle Verbesserungen im gesamten Bildungsbereich einsetzen und mit uns gemeinsam die notwendigen Proteste voranbringen.

Deshalb direkt an Euch, da nicht nur wir, die Schüler*innen, sondern auch Ihr, die Studierenden, unter den Auswirkungen des jetzigen Bildungsystems leiden und Ihr außerdem direkt von den hohen Studiengebühren betroffen seid, die auch uns später zu belasten drohen: wir rufen Euch dazu auf, bekommt endlich Euere Hintern hoch – Ihr seid, neben Bayern, die letzten, die noch diese verdammten Studiengebühren überhaupt bezahlen müssen! Steht endlich auf, setzt Euch gegen diese Gebühren zu Wehr und bekundet massenhaft Euere Ablehung derselben!

Wir wünschen uns Eure Mitarbeit und Kooperation bei allen inhaltlichen und praktischen Aspekten im Bezug auf bildungspolitische Themen. Laßt uns gemeinsam die Misere im aktuellen Bildungschaos bekämpfen! Die Bundesrepublik hat laut OECD (der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die auch die PISA-Studien entwickelt hat) das sozial selektivste Bildungssystem weltweit. Das MUSS abgeschafft werden! Wir brauchen nicht Selektion und Ausschluss, nicht Ellenbogen-Konkurrenz und Bulimie-Lernstreß ab der Grundschule, sondern wir brauchen eine Hinwendung zu einem kooperativen, die individuellen Fähigkeiten in einem gemeinsamen Miteinander förderndes Bildungssystem, das allen Zugang zu freier Bildung garantiert – ohne soziale oder ökonomische Barrieren!

Für unsere gemeinsamen Interessen brauchen wir Eure Unterstützung und Ihr unsere! Nur gemeinsam können wir das erreichen! Solidarität ist unsere Waffe dafür.

In diesem Sinne wünschen wir, das Schüler*innenbündnis Göttingen, allen Studierenden und allen Schüler*innen viel Kraft im gemeinsamen Kampf!